Eine systematische Grammatikarbeit sollte im Allgemeinen erst dann
erfolgen, wenn das entsprechende Grammatikphänomen bereits in einem
Text oder einer Übung in probierender Weise im sprachlichen
Zusammenhang angewendet wurde und so ein Vorverständnis hergestellt wurde, das eine Hypothese über das Funktionieren des entsprechenden Phänomens erlaubt. Dazu sind an geeigneten Stellen im Kursbuch Hinweise auf die Grammatikübersichten im Anhang angebracht. Wo eine Regel bereits während des Übens unausgesprochen beachtet oder erkannt werden soll, ist diese durch einen kleinen Merkzettel mit Büroklammer angegeben. Diese Merkzettel sind Hilfen beim Sprechen, sollen aber nicht ausführlich im Unterricht erörtert werden.
Beispiel für Merkzettel und Grammatikhinweis (PDF-Datei, 209 KB)
Die Erarbeitung einer "Regel" geschieht am besten folgendermaßen:
- An
geeigneter Stelle (wenn ein Text besprochen oder eine Übung beendet
ist) schreibt der Lehrer ein oder mehrere Beispiele zu dem betreffenden
Phänomen in geordneter Form an die Tafel.
- Die Schüler suchen
oder nennen weitere Beispiele, die so an der Tafel gesammelt werden,
dass der systematische Zusammenhang mit den anderen Beispielen deutlich
wird. Dabei sind Unterstreichungen, Einrahmungen und die Verwendung
verschiedener Farben besonders hilfreich. Wo immer möglich, sollte man
darauf achten, dass die Beispiele zusammen einen kleinen Text
(Erzähltext oder Dialog) ergeben, weil dadurch die Kontextabhängigkeit
bestimmter Formen (z. B. in Frage und Antwort, vgl. Kursbuch S. 141,
3b) deutlich wird. Als Orientierung und Muster dienen dem Lehrer dabei
die jeweils angegebenen Grammatikübersichten im Anhang, die aber in
dieser Phase im Allgemeinen noch nicht aufgeschlagen werden sollten.
- Nur
wenn nötig, d. h. wenn dadurch das Verständnis erleichtert oder die
Ableitung/der Transfer auf andere Phänomene ökonomischer gemacht wird,
wird eine Regel formuliert oder ein Hinweis in Deutsch oder in der
Muttersprache gegeben.
- Neue Strukturen sollten auf der
Grundlage bereits bekannter Phänomene verständlich gemacht und aus
ihnen abgeleitet werden. Eine bekannte Struktur kann entweder am Anfang
der Behandlung einer neuen stehen oder an deren Schluss, um die neue
mit ihr zu vergleichen.
- Erst nachdem das neue Phänomen
"entdeckt" ist, sollte der Grammatikanhang aufgeschlagen werden. Die
gemeinsam erarbeitete Darstellung wird mit der im Buch verglichen.
Beispiel für eine Grammatikseite (PDF-Datei, 121 KB)
- Der
Wert der Grammatikdarstellungen für die Schüler liegt vor allem darin,
dass sie zu Hause in Ruhe noch einmal die gelernte Struktur durchgehen
und nachvollziehen können. Dazu sollten sie auch jeweils besonders auf
die Rückverweise aufmerksam gemacht werden.
- Im Arbeitsbuch
finden die Schüler Übungen, die nach dem Muster der
Grammatikübersichten im Kursbuch angelegt sind. In diesen Übungen
vollziehen sie die Erarbeitung der Grammatik noch einmal aktiv nach,
indem sie ihre "eigene" Grammatik schreiben.
Vergleich Grammatik / Arbeitsbuchübung (PDF-Datei, 135 KB)
Diese Form der Grammatikbehandlung ermöglicht eine aktive Rolle der Schüler, indem sie, zunächst durch probierenden Gebrauch der Strukturen und anschließende selbständige Erschließung
einer Regelmäßigkeit, selbst ihr Grammatikverständnis aufbauen. In der
Regel wird dies im Kurs dazu führen, dass auch in der Grammatikarbeit
die Schüler im Laufe der Zeit und der Gewöhnung an dieses Vorgehen
immer selbständiger und aktiver arbeiten.